Nicht alle Anforderungen erfüllt: wann sich die Bewerbung lohnt und was du über die Lücke schreibst

Nicht alle Anforderungen der Stellenanzeige erfüllt: Lücken im Anschreiben erklären

Die Anzeige gefällt dir, die Aufgaben traust du dir zu, und trotzdem stehen im Profil zwei oder drei Zeilen, bei denen du ehrlicherweise passen musst. Davon musst du dich nicht gleich abschrecken lassen, denn selbst die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster schreibt in ihrer Bewerbungsbroschüre: „Nicht alle Anforderungen müssen vollständig erfüllt sein.“

Ob deine Lücke zu denen gehört, über die eine Firma hinwegsieht, hängt allerdings weniger davon ab, wie viele Zeilen dir fehlen, als davon, welche. Hier ordnest du jede Zeile der Anzeige ein und findest an einem durchgespielten Beispiel Sätze fürs Anschreiben, die ehrlich bleiben.

Wenn du schon weißt, welche Zeile dir fehlt, spring zu Jede Zeile einordnen.

Woher die Prozentregeln kommen

Wer im Netz nach dieser Frage sucht, findet vor allem Prozentzahlen, und die passen nicht zusammen. Mal sollen 50 Prozent der Anforderungen reichen, anderswo sind es 60, 70 oder sogar 80 Prozent.

Belegt ist davon nur eine Zahl, und die kommt aus den USA. Die 50 Prozent stammen von TalentWorks, einem amerikanischen Anbieter von Bewerbungssoftware, der 2018 gut 6.300 Bewerbungen seiner eigenen Nutzer ausgewertet hat. Wer dort die Hälfte der Anforderungen erfüllte, wurde ungefähr so oft zum Gespräch eingeladen wie jemand mit 90 Prozent. Das Programm hat allerdings nur gezählt, wie viele Anforderungen erfüllt waren, und nicht, welche. Gemessen wurden außerdem nur Einladungen und keine Zusagen.

Noch bekannter ist der Satz, Männer bewerben sich schon ab 60 Prozent und Frauen erst ab 100. Er geht auf einen internen Bericht von Hewlett-Packard zurück, dessen Zahlen nie veröffentlicht wurden. Das britische Behavioural Insights Team hat die Frage 2022 in einem Online-Experiment mit über 10.000 Teilnehmenden und einer erfundenen Anzeige nachgestellt. Männer wollten sich dort ab 52,1 Prozent der Anforderungen bewerben und Frauen ab 55,7 Prozent. Der Unterschied zeigte sich nur bei denen, die weniger gut zur Stelle passten.

Aufschlussreicher ist eine Umfrage, die die Autorin Tara Mohr 2014 in der Harvard Business Review veröffentlicht hat, mit über tausend meist amerikanischen Berufstätigen. Der häufigste Grund, sich nicht zu bewerben, war bei 41 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer die Annahme, ohne die Qualifikation sowieso nicht genommen zu werden. Dass sie die Arbeit nicht schaffen würden, nannten dagegen nur etwa zehn Prozent der Frauen und zwölf Prozent der Männer.

Mit dem Zählen kommst du also nicht weiter. Eine einzige fehlende Zeile kann mehr wiegen als fünf andere zusammen, etwa wenn ein Gesetz sie verlangt, während eine Firma über drei fehlende Wünsche ohne Weiteres hinwegsieht.

Wobei Betriebe Abstriche machen

Wie oft Firmen in Deutschland Leute einstellen, die nicht alles mitbringen, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im IAB-Betriebspanel erfragt. Von den Betrieben, die im ersten Halbjahr 2024 Fachkräfte eingestellt haben, sind 57 Prozent bei mindestens einer Einstellung Kompromisse eingegangen, mehr als doppelt so viele wie 2013.

Am häufigsten nahmen diese Betriebe einen höheren Einarbeitungsaufwand in Kauf, nämlich 35 Prozent. Jeweils rund ein Viertel machte Zugeständnisse bei der fachlichen Qualifikation, beim Gehalt oder bei der Arbeitszeit, und 21 Prozent akzeptierten, dass jemand mehr Weiterbildung braucht. Bei den Sprachkenntnissen gaben 16 Prozent nach, bei sozialen Kompetenzen dagegen nur 7 Prozent und bei gesundheitlichen und körperlichen Anforderungen 5 Prozent.

Für deine Lücke lässt sich daraus eine vorsichtige Lesart ableiten. Was man sich einarbeiten oder nachlernen kann, sehen viele Betriebe nach, wenn sonst niemand Passendes kommt. Beim Umgang mit Menschen und bei körperlichen Anforderungen machen sie dagegen selten Abstriche.

Unsichtbar wird eine Lücke dadurch aber nicht. In einer StepStone-Befragung von 2025 nannten 60 Prozent der Recruiter fehlende relevante Fähigkeiten als häufigsten Grund, eine Bewerbung früh auszusortieren. Nachgesehen wird eine Lücke deshalb eher dann, wenn die Bewerbung klar zeigt, was stattdessen trägt.

Jede Zeile einordnen

Nimm dir die Anzeige vor und schreib neben jede Zeile, die dir fehlt, zu welcher Art aus der Tabelle sie gehört. Ob ein Punkt Muss oder Kann ist, erkennst du meist an Wörtern wie „setzen voraus“ oder „wünschenswert“. Die Liste dazu steht in Schritt 1 unter Anschreiben aus der Stellenanzeige.

Art Woran du sie erkennst Was du tust
Ein Gesetz oder eine Vorschrift verlangt es Approbation, staatliche Anerkennung, Sachkundeprüfung, Fahrerlaubnis für eine Arbeit am Steuer Ohne den Nachweis darfst du die Arbeit nicht machen. Bewirb dich nur, wenn er schon in Arbeit ist und der Termin feststeht.
Es ist der Kern der Stelle steht bei den Aufgaben und noch einmal im Profil Du brauchst etwas Vergleichbares, das du belegen kannst. Fehlt auch das, lässt du die Stelle aus.
Es ist ein Wunsch, ein Werkzeug oder eine Branche „idealerweise“, „von Vorteil“, eine bestimmte Software, „Erfahrung in der Branche“ Weglassen, oder ein Halbsatz, wenn du etwas Ähnliches kennst.
Es ist in Arbeit Prüfung angemeldet, Führerschein in der Fahrschule, Kurs gebucht Mit Datum nennen. Ohne festen Termin schreibst du nichts dazu.
Es ist eine Bedingung Schichtdienst, Wochenenden, Reisen, Umzug Ob das geht, weißt nur du. Wenn nicht, fragst du vor der Bewerbung nach.
Es dürfte so gar nicht drinstehen „Deutsch als Muttersprache“, „junges Team“, eine Altersgrenze Zählt nicht als Lücke. Maßgeblich ist, was die Arbeit tatsächlich braucht, etwa sehr gutes Deutsch.

Die dritte Art kostet dich wenig, weil du solche Zeilen im Anschreiben einfach weglässt. Mehr Arbeit machen die Zeilen, die zum Kern der Stelle gehören, und bei den gesetzlichen Hürden entscheidet ohnehin nicht die Firma, ob sie darüber hinwegsieht.

Eine Anzeige Zeile für Zeile

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein erfundenes Beispiel. Natalia ist Kauffrau für Büromanagement und arbeitet seit vier Jahren im Büro eines Autohauses. Dort kümmert sie sich um Termine und Rechnungen und hat 2025 den Tag der offenen Tür organisiert, von der Einladung bis zu den Flyern aus der Druckerei.

Nebenher betreut sie seit zwei Jahren den Instagram-Kanal der Handballabteilung ihres Vereins und gestaltet die Beiträge in Canva. Aufgewachsen ist sie in Polen und mit 15 nach Deutschland gekommen, Englisch spricht sie auf der Stufe B1. Bei einem Hersteller von Fahrradanhängern mit rund 80 Beschäftigten hat sie diese Anzeige gefunden, die wir nach dem Muster vieler echter Anzeigen gebaut haben:

Beispielanzeige: Marketing-Assistenz (m/w/d)

Ihre Aufgaben: Sie pflegen unsere Website und unsere Social-Media-Kanäle, erstellen Newsletter und Produktblätter, organisieren unsere Messeauftritte und stimmen sich mit Agenturen und Druckereien ab.

Ihr Profil:

  1. Abgeschlossenes Studium im Bereich Marketing oder Kommunikation oder eine vergleichbare Qualifikation
  2. Erste Berufserfahrung im Marketing
  3. Sicherer Umgang mit MS Office und Canva
  4. Idealerweise Erfahrung mit WordPress und einem Newsletter-Tool
  5. Deutsch als Muttersprache, gute Englischkenntnisse
  6. Organisationstalent und Kommunikationsstärke
  7. Führerschein Klasse B von Vorteil
  8. Bereitschaft zu gelegentlichen Messeeinsätzen am Wochenende

So hat Natalia jede Zeile eingeordnet und entschieden, was sie damit macht:

Zeile Art Was Natalia hat Was sie tut
1. Studium oder vergleichbare Qualifikation Kern, durch „vergleichbar“ offen kaufmännische Ausbildung, zwei Jahre Vereinskanal nennt die Lücke einmal offen und stellt die Vereinsarbeit daneben
2. Erste Berufserfahrung im Marketing Kern keine Stelle im Marketing, aber den Tag der offenen Tür gehört zur selben Lücke wie Zeile 1 und kommt in denselben Absatz
3. MS Office und Canva Werkzeug beides, Canva aus dem Verein steht im Lebenslauf, Canva taucht im Vereinsbeispiel auf
4. Idealerweise WordPress und Newsletter-Tool Wunsch nichts davon lässt sie weg
5. Deutsch als Muttersprache, gute Englischkenntnisse so nicht zulässig formuliert, Englisch eher Kann Deutsch fließend seit der Schulzeit, Muttersprache Polnisch, Englisch B1 Deutsch zählt als erfüllt, im Lebenslauf stehen alle drei Sprachen mit Stufe
6. Organisationstalent und Kommunikationsstärke weiche Anforderung den Tag der offenen Tür erzählt das Beispiel, statt die Wörter zu wiederholen
7. Führerschein Klasse B von Vorteil Wunsch hat sie steht im Lebenslauf
8. Messeeinsätze am Wochenende Bedingung für sie in Ordnung ein Halbsatz am Ende des Anschreibens

Bei Zeile 5 hilft ein Blick zur Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Sie rät Firmen, in Anzeigen keine Muttersprache zu verlangen, weil bei Sprachkenntnissen zählt, ob die konkrete Arbeit sie braucht. Natalia schreibt seit Jahren Kundenbriefe auf Deutsch, also erfüllt sie das, worum es bei dieser Zeile sachlich geht.

Am Ende bleibt eine echte Lücke, nämlich der fehlende Marketing-Hintergrund aus den Zeilen 1 und 2, und genau die spricht Natalia an. Ihr erster Entwurf für diesen Absatz sah allerdings so aus:

Vorher

Leider verfüge ich über kein abgeschlossenes Studium im Bereich Marketing und konnte bisher auch keine Berufserfahrung in diesem Bereich sammeln. Ich bin jedoch sehr motiviert und gerne bereit, mir fehlende Kenntnisse schnell anzueignen.

Der Absatz entschuldigt sich zweimal und belegt danach nichts. Motivation und Lernbereitschaft kann jeder behaupten, und wer ihn liest, weiß hinterher vor allem, was Natalia fehlt. In der zweiten Fassung steht die Lücke in einem Halbsatz, und der Rest zeigt, was sie schon gemacht hat:

Nachher

Marketing habe ich nicht studiert, die Arbeit mit Social-Media-Kanälen und Werbemitteln kenne ich aber aus zwei Richtungen. Seit zwei Jahren betreue ich ehrenamtlich den Instagram-Kanal der Handballabteilung meines Vereins, plane die Beiträge für jede Woche und gestalte sie in Canva. In dieser Zeit ist der Kanal von rund 400 auf 1.300 Follower gewachsen.

Im Autohaus habe ich 2025 den Tag der offenen Tür organisiert. Dazu gehörten die Einladung an unsere Kundenliste, die Flyer, die ich mit der Druckerei abgestimmt habe, und der Ablauf am Tag selbst.

Den Wunsch nach WordPress lässt Natalia dabei fallen, und über die Muttersprache verliert sie kein Wort. Alles, was im zweiten Absatz steht, kann sie im Gespräch erklären, und die Firma sieht sofort, wie nah sie den Aufgaben aus der Anzeige schon gekommen ist.

Wenn ein Gesetz die Qualifikation verlangt

Manche Berufe sind in Deutschland reglementiert, das heißt, eine Vorschrift legt fest, welche Qualifikation du für die Arbeit brauchst. Viele davon liegen in Gesundheit, Sicherheit und Sozialem, zum Beispiel Ärztin und Apotheker mit Approbation, Pflegefachpersonen oder, je nach Bundesland, Erzieher und Lehrerinnen.

Duale Ausbildungsberufe wie Kauffrau für Büromanagement oder Kfz-Mechatroniker sind dagegen nicht reglementiert. Ob dein Beruf dazugehört und was für einen Abschluss aus dem Ausland gilt, findest du im Anerkennungs-Finder auf anerkennung-in-deutschland.de.

Neben ganzen Berufen gibt es einzelne Nachweise, ohne die eine bestimmte Tätigkeit nicht erlaubt ist, und die sind sehr unterschiedlich schwer zu bekommen. Drei Beispiele zeigen, wie weit das auseinanderliegt.

Sachkundeprüfung im Sicherheitsdienst

Wer im Kaufhaus als Ladendetektiv arbeiten will, braucht nach § 34a der Gewerbeordnung eine Sachkundeprüfung vor der IHK. Die kürzere Unterrichtung, die für viele andere Wachaufgaben reicht, genügt dafür nicht. Ohne die Prüfung darf dich auch eine Firma, die dich gern hätte, für diese Aufgabe nicht einsetzen.

Fehlt dir genau diese Zeile, meldest du dich zuerst zur Prüfung an und bewirbst dich mit dem Termin. Hast du die Unterrichtung schon, kannst du auch fragen, ob die Firma dich bis dahin für Aufgaben einsetzt, für die sie reicht.

Belehrung fürs Arbeiten mit Lebensmitteln

Wer zum ersten Mal beruflich mit Lebensmitteln arbeitet, etwa als Küchenhilfe in einer Betriebskantine, braucht eine Bescheinigung über die Belehrung nach § 43 des Infektionsschutzgesetzes. Sie kommt vom Gesundheitsamt oder von einem Arzt, den das Amt beauftragt hat, und darf beim Start nicht älter als drei Monate sein.

Diese Zeile spricht also nicht gegen dich, auch wenn du die Bescheinigung noch nicht hast. Du schreibst in die Bewerbung, dass du die Belehrung vor dem ersten Arbeitstag machst, und holst sie, sobald die Zusage da ist.

Staplerschein im Lager

Selbstständig Gabelstapler fahren darf nur, wer mindestens 18 ist und eine Ausbildung mit Prüfung hinter sich hat, die nach den Regeln der Berufsgenossenschaft drei bis fünf Tage dauert. Dazu kommt eine schriftliche Beauftragung durch den Betrieb, die nur dort gilt, wo sie erteilt wurde. Der Schein ist deshalb eine Lücke, die sich in kurzer Zeit schließen lässt.

Wenn der Nachweis schon unterwegs ist

Steht deine Abschlussprüfung im Juni an oder ist die praktische Führerscheinprüfung schon angemeldet, nennst du das mit Datum. Manche Arbeitgeber schreiben ausdrücklich, dass sie Nachweise später annehmen, die Bundespolizei zum Beispiel lässt Abschlusszeugnis und Führerschein nachreichen.

Ohne festen Termin schreibst du dagegen nichts dazu. „Den Führerschein mache ich demnächst“ ist eine Zusage, auf die sich die Firma nicht verlassen kann, und im Gespräch wird genau danach gefragt.

Was du über die Lücke schreibst

Fürs Anschreiben gilt dieselbe Regel wie unter Anschreiben aus der Stellenanzeige: Höchstens eine Lücke sprichst du offen an. Das machst du ohne Entschuldigung, und direkt daneben steht, was stattdessen trägt.

Was nur ein Wunsch ist, lässt du weg, weil ein Anschreiben, das jede fehlende Zeile kommentiert, am Ende vor allem zeigt, was fehlt. Diese Sätze aus vielen Mustertexten kannst du ersetzen:

Statt Besser
„Leider habe ich keine Erfahrung mit SAP.“ „SAP kenne ich bisher nicht. Aufträge und Rechnungen bearbeite ich seit vier Jahren in der Software unseres Autohauses.“
„Ich bin sehr lernbereit und eigne mir fehlende Kenntnisse schnell an.“ „Pivot-Tabellen habe ich mir im letzten Jahr selbst beigebracht, weil unsere Monatsauswertung sonst nicht rechtzeitig fertig geworden wäre.“
„Ich werde demnächst eine Schulung besuchen.“ „Für den Kurs Social-Media-Marketing an der Volkshochschule, der am 14. März beginnt, bin ich angemeldet.“
„Auch wenn ich nicht alle Anforderungen erfülle, …“ Den Satz streichen und den Absatz mit dem beginnen, was du kannst.

Bei der dritten Zeile musst du aufpassen, denn im Netz kursieren Satzbausteine, die eine Schulung „am [Datum]“ ankündigen. Steht der Kurs nicht wirklich in deinem Kalender, ist das eine erfundene Zusage, und spätestens im Gespräch fragt jemand nach.

Erfundene Angaben können dich den Job auch noch nach dem Start kosten. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts kann ein Arbeitgeber den Vertrag wegen arglistiger Täuschung nach § 123 BGB anfechten, wenn er dich wegen der Täuschung eingestellt hat. Das gilt zum Beispiel, wenn du eine zulässige Frage falsch beantwortet hast. Das Landesarbeitsgericht Köln hat 2025 die Anfechtung gegenüber einem Betriebsleiter bestätigt, der ein gefälschtes Diplom vorgelegt hatte.

Das hier ist keine Rechtsberatung.

Was der Assistent mit deinen Lücken macht

Der aufwendige Teil dieser Seite ist der Abgleich jeder Zeile mit deinem Lebenslauf, und den Anfang davon übernimmt der Assistent. Nachdem du Anzeige und Lebenslauf eingegeben hast, zeigt er dir unter „Das verlangt die Stelle“ die Anforderungen aus der Anzeige. Darunter stehen die Fachbegriffe, etwa Software, Zertifikate oder Methoden, die er in deinem Profil nicht gefunden hat.

Kannst du etwas davon doch, trägst du es nach. Lässt du einen Begriff stehen, behauptet das Anschreiben ihn nicht. Der Assistent lässt ihn dann weg oder nennt ihn offen als Lücke und stellt daneben, was du mitbringst, so wie Natalia es oben von Hand gemacht hat.

Im selben Schritt fragt er, zu wie viel Prozent die Stelle zu dir passt, von „Teilweise, ich lerne noch“ bis „Kernanforderungen erfülle ich“. Nach allem, was oben über Prozentregeln steht, ist diese Zahl keine Grenze, ab der du dich bewerben darfst. Sie ist deine eigene Einschätzung und bestimmt, wie selbstbewusst das Anschreiben auftritt, an den Tatsachen darin ändert sie nichts.

Ein paar Dinge entscheidet er nicht für dich:

  • Ob ein Gesetz eine Qualifikation verlangt, weiß er nicht, und Muss und Kann trennt er auch nicht.
  • Bedingungen wie Wochenendarbeit, weiche Anforderungen und Jahre an Berufserfahrung gleicht er nicht gegen dein Profil ab.
  • Die Einordnung aus der Tabelle oben machst du deshalb vorher selbst.

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Wann du es lässt und was stattdessen geht

Manchmal sparst du dir die Bewerbung besser, und welche Fälle das sind, ergibt sich direkt aus der Tabelle. Fehlt dir ein Nachweis, den eine Vorschrift verlangt, und ist er nicht in Arbeit, darf dich die Firma für diese Arbeit nicht einsetzen, selbst wenn sie wollte. Fehlt dir der Kern der Stelle und hast du nichts Vergleichbares, bleibt dem Anschreiben nichts, was es belegen könnte.

Bei einer Bedingung wie Schichtdienst, die für dich nicht geht, endet das Verfahren spätestens im Gespräch. Das kostet dich und die Firma Zeit, die du besser in eine andere Bewerbung steckst.

Bevor du eine Stelle abhakst, kannst du bei einer offen formulierten Kern-Zeile kurz anrufen. Steht dort „oder vergleichbare Qualifikation“, weißt du nach zwei Minuten, ob die Firma deine Erfahrung als vergleichbar ansieht. So hätte Natalia fragen können:

Zum Kopieren: am Telefon nachfragen

„Guten Tag, mein Name ist Natalia Nowak, ich interessiere mich für Ihre Stelle als Marketing-Assistenz. In der Anzeige steht ein Studium oder eine vergleichbare Qualifikation. Ich bin Kauffrau für Büromanagement und betreue seit zwei Jahren den Instagram-Kanal eines Vereins. Wäre das für Sie vergleichbar, oder ist das Studium für die Stelle gesetzt?“

Sagt die Firma, dass der Abschluss gesetzt ist, kann sich ein Blick auf Stellen eine Stufe darunter lohnen. Dort reicht deine Erfahrung vielleicht schon, und das Fehlende lernst du im Job dazu. Fehlt dir dieselbe Zeile in mehreren Anzeigen, gehört sie für diese Art Stelle offenbar zum Standard. Dann lohnt es sich, die Lücke zu schließen, bevor du weitere Bewerbungen schreibst.

Häufige Fragen

Wie viel Prozent der Anforderungen muss ich erfüllen?

Eine verlässliche Zahl gibt es nicht. Die bekannten 50 Prozent stammen aus einer amerikanischen Auswertung eines Softwareanbieters von 2018. Die 60 und 100 Prozent für Männer und Frauen gehen auf einen Bericht zurück, dessen Daten nie veröffentlicht wurden. Wichtiger als der Anteil ist, welche Zeilen dir fehlen, siehe Jede Zeile einordnen.

Soll ich im Anschreiben sagen, was mir fehlt?

Eine echte Lücke beim Kern der Stelle sprichst du einmal offen an und stellst direkt daneben, was du stattdessen mitbringst. Wünsche wie eine bestimmte Software lässt du weg, denn wer sie erwähnt, lenkt den Blick genau auf das, was fehlt.

Was mache ich, wenn das Online-Formular nach etwas fragt, das mir fehlt?

Du antwortest ehrlich, auch wenn das Formular dich dann vielleicht aussortiert. Eine falsche Antwort auf eine zulässige Frage kann den Arbeitgeber später berechtigen, den Vertrag anzufechten. Gibt es ein Freitextfeld, schreibst du dort hinein, was du stattdessen mitbringst oder wann der Nachweis kommt.

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Quellen